Schlagwort-Archiv: Angst

Angst vor dem Zahnarzt kann echt schlimm sein! – Angst kann man wegklopfen

„Ich brauche Hilfe! Ich kann seit Tagen nicht mehr richtig schlafen und wenn ich daran denke, kriege ich Schweißausbrüche. Ich halte es nicht mehr aus!!!

Was war passiert? Nichts weiter – meine Freundin hatte nur eine Zahnarztphobie. „Nur“?! Angst vor dem Zahnarzt kann echt schlimm sein! Ich weiß, wovon ich rede!

Jahrzehnte lang saß ich in dieser Angst-Falle. Nächte vorher lag ich wach und kämpfte mit meinen Zahnschmerzen und erst, wenn ich es nicht mehr aushalten konnte, machte ich einen Zahnarzttermin, den ich dann mindestens einmal verschob. Und wenn zwischen der letzten Tortur (Qual/Folter) und dem aktuellen Leiden eine zu große Zeitspanne lag, suchte ich mir aus Peinlichkeit einen neuen Zahnarzt. Und so lernte ich nach und nach viele Zahnärzte im Landkreis kennen. Das heißt, Kennen lernte ich sie eigentlich nicht, dazu war ich viel zu sehr damit beschäftigt, die Behandlung zu „überleben“.

Die größten Höllenqualen erlitt ich während der Wartezeiten – vor der Behandlung und zwischendurch. Mein Herz hämmerte dann bis zum Hals, die Atmung war nicht zu kontrollieren, meine schweißnassen Hände klammerten sich immer wieder am ausgesprochen schmalen Sitz fest, ich war von Kopf bis Fuß verkrampft und jede meiner erlernten Entspannungstechniken versagte.

Eigentlich bin ich eine selbstbewusste Frau und halte mich außerhalb der Praxis durchaus für mutig, aber hier schien alles außer Kraft gesetzt. Wenn der Zahnarzt mit mir sprach, verstand ich kein Wort von dem, was er sagte und fühlte mich ihm hilflos ausgeliefert. Während der Behandlung rutschte ich immer mehr nach unten und wurde immer kleiner. Im Anschluss war ich zwar irgendwie erleichtert, aber der Folgetermin machte mir schon im Hinausgehen zu schaffen. Hinzu kam, dass ich mir ziemlich blöd vorkam.

Eines Tages kam die Erlösung. Ich lernte einen Therapeuten kennen, der mir half mit Hilfe der Klopftechnik der Ursache dieser Phobie auf die Spur zu kommen und meine komplette Angst aufzulösen: Ich erinnerte mich während der Behandlung an eine schreckliche Zahnspange, die regelmäßig von einem sehr strengen und ungeduldigen Zahnarzt angepasst werden musste. Zu Beginn dieser Behandlung wurden die Schneidezähne repariert und zwar ohne Betäubung! Gruselig!!

Seit dieser Klopftherapie gehe ich fast entspannt zum Zahnarzt, nicht so häufig wie andere, aber immerhin. Ich unterhalte mich mit der Zahnarzthelferin und dem Zahnarzt und lasse mir nur noch bei Bedarf eine Spritze geben – ohne ging vorher gar nichts.

Außerdem hatte ich immer den Eindruck, dass Zahnärzte ziemlich hässliche, düster aussehende Männer sind. Nach dem Klopfen stellte ich fest, dass zumindest mein aktueller Zahnarzt durchaus attraktiv und freundlich aussieht. Na ja, Angst verstellt eben den Blick!

Inzwischen bin ich selbst Therapeutin und wende die Klopftechnik an, damit gequälte Menschen, wie jetzt. meine Freundin, sich von ihrer Angst befreien und einen entspannten Blick auf ihren Zahnarzt werfen können.

Bis dann!

Stress ist eine Frage der Bewertung

FusiFra hat nach dem letzten Blog gefragt:

Ich denke da an meine Kollegen, die sich immer furchtbar schnell gestresst fühlen und ich habe den Eindruck, dass hat mit der Einstellung zu tun, wie man da rangeht?!

Richtig beobachtet. Stress ist auch eine Frage der Bewertung!

Sie kennen sicher die Aussage: das Glas ist halb voll bzw. halb leer. Das hat erst einmal gar nichts mit Stress zu tun. Wenn ich aber sage „ Das Glas ist erst halb leer“ hat das eine andere Qualität als wenn ich sage „Das Glas ist schon halb leer“. Der Blick bei einer Party auf die Bierkiste macht den Zusammenhang mit Stress deutlicher. „Die Kiste ist erst halb leer, heißt: „Cool bleiben, alles im grünen Bereich.“ Die Kiste ist schon halb leer!“ signalisiert, „Huch! Es könnte nicht reichen“

Es reicht oder es reicht nicht, dass ist oft der Maßstab, mit der ich eine Situation bewerte. „Ich habe hab noch 20 €, das reicht“ im Gegensatz zu „Ich habe nur noch 20 €, das wird knapp, das reicht sicher nicht!“

„Ich hab gehört, ihr schreibt eine Arbeit. Hast Du schon gelernt?“ frage ich meinen elfjährigen Enkel. Er guckt mich verschmitzt an, „Wir schreiben erst in 2 Tagen, da hab ich noch Masse Zeit“. Sein Freund Peter, den ich auf der Treppe getroffen hab, hatte mir gesagt, „Ich muss nach Haus, lernen, wir schreiben in 2 Tagen eine Arbeit. Das wird knapp!“

Auf die Frage nach Peter, antwortet mein Enkel, „Ach der macht sich immer Stress und dann vermasselt er die Arbeit doch und schreibt höchstens eine 3. Der hat jetzt schon Angst, dass er das Abi nicht schafft.“  „Und du?“ „Ich bin mit einer 3 zufrieden, heißt doch befriedigend“ HaHa! „Vielleicht muss Peter mehr lernen?“ wende ich ein. „Nein, Peter ist schlau, der kann mir immer alles erklären. Er denkt nur, es reicht nicht“ antwortet mein Enkel lakonisch.

Ja, wie Sie sehen, Stress ist eine Frage der Bewertung. Wenn ich glaube, es reicht, kann ich ruhig bleiben und entspannt reagieren. Wenn ich dagegen befürchte, dass es nicht reicht – Zeit, Geld, Leistung – gerate ich unter Druck und mein Körper reagiert gestresst: Leere im Gehirn usw., Peter z.B. hat während der Arbeit alles vergessen.

Was kann Peter tun? Manchmal hilft es, einfach die Blickrichtung zu wechseln, „anders“ zu bewerten, die Schule etwas „cooler“ zu betrachten. Doch dass geht nur mit Unterstützung der Eltern, die oft Angst haben, „das es nicht reicht“, dass ihr Kind nicht gut genug auf das Leben vorbereitet wird. Diese Angst überträgt sich und baut dann Druck auf. Wenn sich schon eine Prüfungsangst herausgebildet haben sollte, könnte Peter lernen, sie mit Hilfe des Klopfens aufzulösen.

Vielleicht aber haben Peter oder seine Eltern sehr früh in ihrem Leben durch ungünstige Umstände so genannte Glaubenssätze gelernt, wie „Es reicht nie“, „Egal, wie ich mich anstrenge, ich schaffe das nicht“. Dann könnten sie diese überholten Glaubenssätze mit der Klopftechnik löschen durch passendere ersetzen.

Aber egal, weshalb Peter in der Schule Stress hat, es wäre auf jeden Fall hilfreich für ihn, dass er lernt, mit seinem Stress umzugehen, damit er die vielen Wochen und Monate bis zum Abitur entspannt und gesund lernen und leben kann.

Bis dann!