Stessanfälligkeit: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Selbe. Und wenn zwei das Gleiche erleben, liegen oft Welten dazwischen.

In Gesprächen mit Freunden und Bekannten über Stress, kam heraus, dass alle ähnlich auf Stress reagierten, z.B. mit Appetitlosigkeit, Anspannung oder sogar Verspannung der Muskulatur. Als ich ihnen die alten Lebensweisheiten zeigte, „Das schlägt mir auf den Magen“, „Ich habe einen Kloß im Hals“ und viele mehr, konnten sie die meisten abnicken.

Auch die Situationen, die Stress bereiteten, waren gleich bis ähnlich: Ärger mit dem Chef oder den Kollegen, in der Familie, Sorgen, Angst, Überforderung. Aber trotzdem gab es einen Unterschied. Wir reagierten unterschiedlich schnell und unterschiedlich stark auf diese Situationen. Wenn manchen schon beim Erzählen der „Kamm schwoll“, reagierten andere gar nicht oder sehr verhalten.

Ich dachte, na ja, die sind eben cool oder sie sitzen es aus. Vielleicht haben sie auch ein unterschiedlich starkes Nervenkostüm geerbt. Aber dann las ich in einem Artikel, dass Stressanfälligkeit nichts mit den Genen zu tun hat.

Es hieß, das Forscher heute aus Tierversuchen wissen, dass die Höhe des Stresslevels nicht vererbt sondern erlernt wird. Wenn z.B. Mäuse eine artgerechte „Kinderstube“ hatten, waren sie weniger stressanfällig als Mäuse, die in der frühen Phase vernachlässigt wurden. Das gleiche hatten sie bei Affen beobachtet. Affen mit einer guten Mutterbindung waren stressresistenter als Affen, die von der Mutter getrennt wurden. Außerdem konnten sie sehen und messen, dass Affenjunge von gestressten Müttern später empfindlicher und stärker auf Stress reagierten als Junge von ausgeglichenen Affenmüttern.

O.k., übertragen auf uns heißt das: Stressreaktion ist ein archaischer  Überlebensinstinkt und wenn die Säuglinge und Kleinkinder bei unseren frühen Vorfahren nicht umsorgt wurden, waren sie extrem gefährdet und gerieten entsprechend in Stress. Deshalb haben sie durch Schreien und Strampeln versucht, auf sich aufmerksam zu machen, damit die Mutter oder die Gruppe sich um sie kümmert.

Da wir ein „uraltes Modell“ sind, wundert es mich nicht, dass auch heute Kleinkinder bei Vernachlässigung in Panik, d.h. in Stress geraten und fürs Leben lernen, „Hilfe, ich bin in Gefahr, wenn sich keiner um mich kümmert, wenn mich keiner wahrnimmt, wenn keiner auf meine Bedürfnisse eingeht“. Und dass sie den Stress der Mutter instinktiv als Überlebensgefahr wahrnehmen.

Das leuchtet mir ein und macht mich gleichzeitig stutzig. Würde das bedeuten, wenn meine Freunde und ich bei manchen Situationen schnell in Stress geraten, dass wir dann als Kinder vernachlässigt wurden. Sind unsere Eltern schuld daran?

Naja, sind wir schuld daran, wenn wir in Stress geraten? Wir reagieren instinktiv und wir tragen höchstens dann eine Mitschuld an unserem Stress, wenn wir die Zusammenhänge erkennen und nicht versuchen, etwas dagegen zu tun. Und das weiß ich aus eigener Erfahrung, Erkennen – Wahrnehmen – Verändern, dass ist ein steiniger Weg.

Es stimmt mich traurig, wenn ich daran denke, dass ich meinen Kindern möglicherweise eine stressige Kindheit beschert habe. Es bleibt mir nichts, als mit ihnen darüber zu sprechen und mir selbst zu verzeihen.

Es stimmt mich auch traurig, dass ich wahrscheinlich als kleines Kind ein stressiges Umfeld hatte. Aber da habe ich ja die Möglichkeit, mit meinem Unbewussten Kontakt aufzunehmen und mein „inneres Kind“ zu trösten, um ihm heute die Sicherheit zu geben, die es damals gebraucht hatte.

Schade, dass ich dies nicht für meine Kinder tun kann, dass ich immer nur mich selbst verändern kann. Aber ich vertraue darauf, dass sie genau wie ich, nicht nur instinktiv auf Stress reagieren, sondern auch die instinktive Fähigkeit „geerbt“ haben, zu lernen und sich selbst zu heilen.

Bis dann!

Sie raucht gern oder?

Sie steht vor der Tür und raucht. Drinnen findet ein Kaffeetrinken mit interessanten Frauen statt. Eine der Frauen ist mit raus gekommen. „Ich stehe gern bei Rauchern, dass sind unterhaltsame Leute“ sagt sie. Das geht runter wie Öl! Eine andere Frau gesellt sich zu ihnen, steckt sich eine Zigarette an und sagt: „ Ich rauche gern.“ Klar, sie auch. Sonst würde sie es ja nicht tun oder? Eine innere Stimme sagt: „Typisches Raucherargument.“  Na und?

Sie raucht wirklich gern. Ihr fallen auf Anhieb viele Situationen ein, die durch das Rauchen gemütlicher werden.Naja, richtig gemütlich ist es gerade nicht. Es ist kalt! Sie stehen vor der Tür im Vorgarten, ohne Tisch und ohne Stuhl.Und leider weiß sie, dass alle Situationen, die ihr eingefallen sind, ohne Zigaretten genau so gemütlich sind. Sie war nämlich nach 20 Jahren Raucherdasein ebenso lange Nichtraucherin! Und es hat ihr nichts gefehlt, gar nichts.Sie hat trotz aller Warnungen wieder angefangen. Ganz allmählich. Nach kurzer Zeit war sie wieder dabei.Sie hat dann noch einmal aufgehört, mit Hilfe der Klopfmethode. Ging gut, ohne Probleme. Diesmal habt sie nach vier Jahren wieder angefangen. Wieder in netter Gesellschaft, wieder ohne Reue.

Wenn sie es steuern könnte, nur in netter Gesellschaft rauchen! Das wäre was! Aber das klappt nicht. Und ehrlich gesagt, das Rauchen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Man darf nur noch draußen rauchen und im Winter ist das echt ungemütlich, trotz der schönen bunten Decken und der Heizspiralen, die ja auch irgendwie fragwürdig sind. Die Raucher sind in der Minderheit, Außenseiter. Es macht nicht mehr soviel Spaß.

Nächste Woche will sie wieder aufhören zu rauchen – diesmal mit Hypnose. Seit dem verspürt sie eine große Traurigkeit. Obwohl sie weiß, dass es ein Leben nach der letzten Zigarette gibt, hat sie das Gefühl, sie trennt sich von etwas sehr Vertrautem, etwas Tröstlichem, etwas, was ihr Halt gibt, sie beruhigt, sie ablenkt, sie entspannt und ihr ein gutes Gefühl gibt.

Trotzdem – sie wird aufhören und ein zufriedener Nichtraucher sein. Aber bis dahin wird sie jede Zigarette genießen!

Bis dann!

Individuelle Körpersignale – Warum reagiert mein Kopf erst so spät auf Stress, obwohl mein Körper sofort darauf reagiert?

Heute, einen Bandscheibenvorfall später, weiß ich mehr über Stress. Das heißt, theoretisch wusste ich natürlich auch schon vorher, dass der Körper instinktiv nach uraltem Modell auf Stress mit erhöhtem Blutdruck, mehr Energie in den Muskeln, eingeschränkter Verdauung und Notprogramm im Gehirn reagiert, um zu fliehen oder zu kämpfen. Fand ich logisch und unpassend zugleich.

Aber ich hatte es nicht begriffen!! Ich hatte als berufstätige Mutter mit einem großen Garten nicht begriffen, dass meine Rückenschmerzen ein Zeichen von Stress waren, von Dauerstress! Ich schob sie auf falsche Körperhaltung, auf einen körperlichen „Defekt“ und hoffte, der Arzt könnte mir helfen.

Mein Arzt war ein weiser Mann. Er erklärte mir geduldig, dass wir auf Stress instinktiv „wie die Tiere“ reagierten und dass wir nach jeder Stresssituation unseren Körper wieder runterschalten müssten, durch Sport und Entspannung. Ansonsten würden die einzelnen Organe durch den Dauerstress Schaden nehmen. Und irgendwann hätten wir dann das Ergebnis: z.B. kann die Dauerverspannung der Rückenmuskulatur im Endefekt einen Bandscheibenvorfall auslösen. Beim Verabschieden machte er mich auf die alten Volksweisheiten, wie „das schlägt mir auf den Magen“ usw. aufmerksam. „Googeln sie mal!“ sagte er.

Brauchte ich nicht, diese Sprüche kannte ich alle. Ich ärgerte mich über meinen Arzt. So blöd kann ja wohl keiner sein, dass er sich die starken Schmerzen eines Bandscheibenvorfalls „beschert“, nur weil er vorher nicht auf sich hört. Dieser Gedanke allein bereitete mir Stress und promt verstärkten sich meine Rückenschmerzen.

Freunde bestätigten mir, dass auch sie mit körperlichen „Gebrechen“ auf Stress reagierten. Aber es dauerte noch eine Weile, bis ich diese animalische Stressgeschichte tatsächlich begriff: Stress – Körperreaktion – Entspannung. Und es dauerte noch länger, bis ich anfing meine Körpersignale wahrzunehmen und als „Frühwarnsystem“ für Stress zu nutzen.

Ehrlich gesagt, gelingt mir das nicht immer. Es gibt nach wie vor Situationen, in denen ich meinen Körper ignoriere oder die Signale erst im nach hinein wahrnehme. Aber immer hin!

Bis dann!

Super – ich bin im Stress! Aber wehe, wenn aus Eustress Distress wird!

Es gibt nicht nur negativen Stress, sondern auch positiven und der ist gesund. Und diesen so genannten Eustress, den habe ich heute Morgen deutlich gespürt. Ich stand in meinem Garten, betrachtete etwas missmutig den Girsch und kurz entschlossen machte ich mich daran, ihn wieder einmal zu bekämpfen.

Ich fühlte mich kräftig, sah nur den Girsch und kam gut voran. Die Arbeit war hoch befriedigend, machte Spaß und ging leicht von der Hand. Nach einer Stunde hatte ich den halben Garten geschafft.

Aber eben nur den halben! Ich ignorierte den Wunsch nach einer Pause und das leichte „Schwächeln“ und arbeitete verbissen weiter. Meine Energie hatte sich inzwischen verbraucht und was zu Beginn Spaß gemacht hatte, entwickelte sich zu einer Kraftanstrengung. Ich wollte es nur noch schaffen! Und dann war ich endlich im wahrsten Sinne des Wortes „fertig“.

Erschöpft schleppte ich mich ins Haus und ärgerte mich. Ich war vom positiven Eustress in den negativen Distress gerutscht und das nicht zum ersten Mal. Mein Körper hatte mir deutlich gezeigt, dass die Energie verbraucht war und er Ruhe brauchte. Aber ich hatte nicht auf ihn gehört, ich „musste“ ja unbedingt den ganzen Garten schaffen!

Dumm gelaufen! Warum nur fällt es mir so schwer auf meinen Körper zu hören?

Bis dann!

Hilfe – ich bin im Stress!

Ich habe lange darauf gewartet und jetzt ist es so weit. Ich kann meinen ersten blog-Beitrag ins Netz stellen. Ich wollte über die Auswirkungen von Stress schreiben.

Aber jetzt geht gar nichts mehr. Ich habe eine Leere im Kopf, mein Magen grummelt und ich war schon zweimal zum Klo. Mein Entwurf erscheint mir nichtssagend. Statt Freude macht sich eine leichte Panik breit. Keine Frage – ich bin im Stress und zwar heftig!

Ich kann gut nachvollziehen, wie meine Ururur…vorfahren bei Stress reagiert haben: Kämpfen, Wegrennen oder Totstellen. Ich schwanke zwischen Wegrennen und Totstellen. Oder doch lieber Kämpfen? Aber wie? Auf die Tastatur einschlagen? Ich merke, wie mir das Herz bis zum Hals schlägt und die Schultermuskulatur anfängt zu verspannen.

Ich muss was tun, um den Stress abzubauen. Entspannen, Klopfen oder Laufen? Laufen! Ich werde durch die Marsch laufen, die angestaute Energie abbauen, zur Ruhe kommen und dann hoffentlich in alter Frische an meinem Blog weiterarbeiten.

Bis dann!