Archiv für den Monat: Januar 2015

Stress ist eine Frage der Bewertung

FusiFra hat nach dem letzten Blog gefragt:

Ich denke da an meine Kollegen, die sich immer furchtbar schnell gestresst fühlen und ich habe den Eindruck, dass hat mit der Einstellung zu tun, wie man da rangeht?!

Richtig beobachtet. Stress ist auch eine Frage der Bewertung!

Sie kennen sicher die Aussage: das Glas ist halb voll bzw. halb leer. Das hat erst einmal gar nichts mit Stress zu tun. Wenn ich aber sage „ Das Glas ist erst halb leer“ hat das eine andere Qualität als wenn ich sage „Das Glas ist schon halb leer“. Der Blick bei einer Party auf die Bierkiste macht den Zusammenhang mit Stress deutlicher. „Die Kiste ist erst halb leer, heißt: „Cool bleiben, alles im grünen Bereich.“ Die Kiste ist schon halb leer!“ signalisiert, „Huch! Es könnte nicht reichen“

Es reicht oder es reicht nicht, dass ist oft der Maßstab, mit der ich eine Situation bewerte. „Ich habe hab noch 20 €, das reicht“ im Gegensatz zu „Ich habe nur noch 20 €, das wird knapp, das reicht sicher nicht!“

„Ich hab gehört, ihr schreibt eine Arbeit. Hast Du schon gelernt?“ frage ich meinen elfjährigen Enkel. Er guckt mich verschmitzt an, „Wir schreiben erst in 2 Tagen, da hab ich noch Masse Zeit“. Sein Freund Peter, den ich auf der Treppe getroffen hab, hatte mir gesagt, „Ich muss nach Haus, lernen, wir schreiben in 2 Tagen eine Arbeit. Das wird knapp!“

Auf die Frage nach Peter, antwortet mein Enkel, „Ach der macht sich immer Stress und dann vermasselt er die Arbeit doch und schreibt höchstens eine 3. Der hat jetzt schon Angst, dass er das Abi nicht schafft.“  „Und du?“ „Ich bin mit einer 3 zufrieden, heißt doch befriedigend“ HaHa! „Vielleicht muss Peter mehr lernen?“ wende ich ein. „Nein, Peter ist schlau, der kann mir immer alles erklären. Er denkt nur, es reicht nicht“ antwortet mein Enkel lakonisch.

Ja, wie Sie sehen, Stress ist eine Frage der Bewertung. Wenn ich glaube, es reicht, kann ich ruhig bleiben und entspannt reagieren. Wenn ich dagegen befürchte, dass es nicht reicht – Zeit, Geld, Leistung – gerate ich unter Druck und mein Körper reagiert gestresst: Leere im Gehirn usw., Peter z.B. hat während der Arbeit alles vergessen.

Was kann Peter tun? Manchmal hilft es, einfach die Blickrichtung zu wechseln, „anders“ zu bewerten, die Schule etwas „cooler“ zu betrachten. Doch dass geht nur mit Unterstützung der Eltern, die oft Angst haben, „das es nicht reicht“, dass ihr Kind nicht gut genug auf das Leben vorbereitet wird. Diese Angst überträgt sich und baut dann Druck auf. Wenn sich schon eine Prüfungsangst herausgebildet haben sollte, könnte Peter lernen, sie mit Hilfe des Klopfens aufzulösen.

Vielleicht aber haben Peter oder seine Eltern sehr früh in ihrem Leben durch ungünstige Umstände so genannte Glaubenssätze gelernt, wie „Es reicht nie“, „Egal, wie ich mich anstrenge, ich schaffe das nicht“. Dann könnten sie diese überholten Glaubenssätze mit der Klopftechnik löschen durch passendere ersetzen.

Aber egal, weshalb Peter in der Schule Stress hat, es wäre auf jeden Fall hilfreich für ihn, dass er lernt, mit seinem Stress umzugehen, damit er die vielen Wochen und Monate bis zum Abitur entspannt und gesund lernen und leben kann.

Bis dann!